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POTENZIALE NUTZEN

NIHK veröffentlicht Bildungspolitische Positionen

Bildungspol_Pos © NIHK Zoom Bildungspolitische Positionen des NIHK (2011)

Mit Reformen im Bildungssystem den Fachkräftenachwuchs sichern – das fordert der Niedersächsische Industrie- und Handelskammertag (NIHK) anlässlich der Vorstellung seiner „ Bildungspolitischen Positionen “ am heutigen Montag in Hannover. Schon jetzt beklagten 70 Prozent der Unternehmen laut einer IHK-Umfrage Probleme, offene Stellen zu besetzen. Es fehlten nicht nur Hochqualifizierte, sondern auf allen Niveaustufen würden Fachkräfte zunehmend knapp. „Es besteht dringender Handlungsbedarf, vorhandene Potenziale bestmöglich zu nutzen, bevor sich der Fachkräftemangel als Innovations- und Wachstumsbremse erweist“, so Volker Linde, Sprecher für Berufsbildung beim NIHK. Darum habe die Wirtschaft ein existenzielles Interesse daran, Bildung und Qualifikation insgesamt zu verbessern, und zwar in allen Bereichen: von Kindergarten und Schule über Ausbildung und Hochschule bis hin zur Weiterbildung. „Wir brauchen eine noch bessere Ausstattung in der frühkindlichen und schulischen Bildung und eine Reduzierung der hohen Abbrecherzahlen an den Hochschulen“, macht Dr. Dirk Lüerßen, NIHK-Sprecher für Schul- und Hochschulpolitik, deutlich. Unerlässlich seien außerdem eine systematische Berufsorientierung sowie eine stärkere naturwissenschaftlich-technische Ausrichtung bei den Schülern.

Betriebliche Ausbildung stärken
Die Niedersächsische Wirtschaft setzt auf eigene Ausbildung, um sich Nachwuchskräfte zu sichern. Derzeit werden landesweit rund 160.000 Jugendliche ausgebildet und haben gute Aussichten auf Beschäftigung. Aktuelle Umfragen zeigen jedoch, dass qualifizierte Bewerber knapp werden. Für den NIHK heißt das, dass Vollzeitschulangebote beruflicher Schulen wo möglich durch duale Berufsausbildung ersetzt werden sollten. Leistungsfähig werde die duale Ausbildung durch standortnahe Angebote sowie optimale sachliche Ausstattung der Schulen und eine Verbesserung der schulischen Rahmenpläne. Wichtig sei auch, dass Abiturienten, die eine Ausbildung machten, sich dadurch bei der Einordung der Wertigkeit ihres Abschlusses nicht verschlechterten.

Grundstein für Ausbildungsreife schon in frühkindlicher Bildung legen
Die Schulen entlassen zu viele Jugendliche ohne ausreichende Kompetenzen für eine Ausbildung. Etwa 20 Prozent der 15-jährigen Schüler können nur auf Grundschulniveau lesen und schreiben. Um eine gute Basis für Schulerfolg und Ausbildungsreife zu schaffen, muss laut NIHK die Bildung und Förderung in allen Schulformen verbessert werden.
Für einen optimalen Start könnte eine einjährige Vorschulpflicht sorgen. Mehr Experimente in Kindergarten und Schule sowie ein Fach „Naturphänomene“ in der Grundschule könnten dazu beitragen, bei Kindern das Interesse an naturwis-senschaftlich-technischen Themen zu wecken. Durch Partnerschaften zwischen Schule und Wirtschaft ließe sich die Berufsorientierung verbessern.
Die Oberschule ist für den NIHK eine sinnvolle Ergänzung des bestehenden Schulsystems, das der Forderung der Wirtschaft nach einem wohnortnahen, vielseitigen und anspruchsvollen Schulangebot entgegenkomme. Damit sie effektiv in Sachen Berufsorientierung werde, dürfe die Oberschule jedoch personell nicht schlechter gestellt sein als andere Schulformen. Am Abitur nach zwölf Jahren gehe kein Weg vorbei. Die zwölf Jahre seien im internationalen Vergleich nicht Turbo sondern Standard. Die Aussagekraft der Hochschulreife könne durch ein bundesweites Zentralabitur noch verstärkt werden.

Hochschulen: Abbrecherquoten senken, Praxisbezug erhöhen
Der rasche technische Fortschritt und die zunehmende Internationalisierung der Wirtschaft erhöhen den Bedarf der Unternehmen an hochqualifizierten Mitarbeitern mit akademischer Bildung. Leider könne jedoch in Niedersachsen die hohe Studiennachfrage nicht voll befriedigt werden. Niedersachsen gebe im Hochschulbereich mehr Abiturienten ab als aus anderen Ländern kämen, bedauert der NIHK. Die Abbrecherquoten von Bachelor-Studierenden (25 Prozent an Universitäten und 39 Prozent an Fachhochschulen) müssten dringend gesenkt werden. Darüber hinaus mangele es an niedersächsischen Hochschulen häufig am Praxisbezug. Ein obligatorisches Praxissemester sowie der Ausbau dualer und berufsbegleitender Studiengänge könnte Abhilfe schaffen. Auch die Öffnung der Schulen für beruflich Qualifizierte, also das Studieren ohne Abitur, müsse gefördert werden, um so auf lange Sicht mehr Akademiker zu gewinnen.
 
Lehrerausbildung reformieren und mehr und früher durch Praxiszeiten ergänzen
Schulerfolg ist immer auch ein Erfolg der handelnden Personen und damit ab-hängig von der Qualifikation der Lehrer. Deshalb muss die Lehrerausbildung laut NIHK auch den Veränderungen in Schulen, Schulalltag und Schülerverhalten angepasst werden. Frühere und umfangreichere Praxiszeiten während des Stu-diums könnten den Studierenden ermöglichen, rechtzeitig ihre Eignung für den Lehrerberuf zu überprüfen. In der Schule sollten sich die Lehrer auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Dafür sei eine Entlastung durch Verwaltungskräfte und pädagogische Hilfskräfte unerlässlich. Und schließlich müsse der Lehrerberuf attraktiver werden. Offensive Werbung durch das Land und ausreichende Kapazitäten an den Hochschulen könnten dem Fachlehrermangel entgegen wirken.

Mehr Wettbewerb und Transparenz für die Weiterbildung
Berufliche Weiterbildung gewinnt für Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Damit der Markt ein optimales Weiterbildungsangebot vorhalten kann, sollte er frei von staatlichen Eingriffen bleiben. Die nötige Transparenz könnte das Land mit einer einheitlichen Informationsplattform gewährleisten. So wären detaillierte und vergleichbare Angaben über Angebote und Anbieter frei zugänglich. Darüber hinaus fordert der NIHK die international verständliche Bezeichnung „Bachelor professional“ für Fortbildungsabschlüsse, deren Niveau vergleichbar ist mit akademischen Abschlüssen.

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22.08.2011

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