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PRESSE
Doppel-Abi große Chance für Unternehmen
Die Aussetzung der Wehrpflicht und der doppelte Abiturjahrgang in Niedersachsen werden im kommenden Jahr keine negativen Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt haben. Davon ist der Niedersächsische Industrie- und Handelskammertag (NIHK) überzeugt. Gleichzeitig befürchten die Mitgliedsunternehmen des NIHK aber die Abwanderung von Studierenden, da die Studienplätze in Niedersachsen nicht ausreichen.
Der NIHK geht davon aus, dass von den 25.000 zusätzlich erwarteten Absolventen allenfalls 70 % (bisher 40%) im Jahr der Schulentlassung in Ausbildung oder Studium gehen – der Rest wird (durch Freiwilliges Soziales Jahr, Auslandsaufenthalte o.ä.) erst später relevant. Von den Abiturienten streben erfahrungsgemäß höchstens 20 % eine Ausbildung an. Wegen der rückläufigen Absolventenprognosen der KMK bei Haupt-, Real- und Berufsschulen (- 3.000) ist deshalb nicht von einem nennenswerten Bewerberzuwachs auszugehen. Nach Auffassung des NIHK dürfte das leichte Plus nicht einmal reichen, um den Bedarf der Unternehmen angesichts des kommenden Fachkräftemangels und der günstigen Wachstumsprognosen zu decken.
Auch die vorliegenden Erfahrungen anderer Bundesländer belegen, dass Probleme nicht auftreten dürften. Bestes Beispiel dafür ist aktuell Hamburg. Hinzu kommt, dass bereits jetzt eine Vielzahl von Unternehmen plant, mehr als üblich speziell auf Abiturienten zugeschnittene Angebote in 2011 zu unterbreiten. Der NIHK geht deshalb für 2011 von einer unverändert guten Ausbildungsmarktsituation für Bewerberinnen und Bewerber aus.
Sorgen hat der NIHK allerdings, dass die Zahl der im Rahmen der Hochschulpakte I und II geschaffenen zusätzlichen Studienplätze nicht ausreicht, um den zunehmenden Drang der Absolventen in die Universitäten aufzufangen. Die den Pakten zugrunde liegenden Prognosen der Studienanfängerzahlen sind überholt. Die Studienplatz-Lücke wird wegen Aussetzung der Wehrpflicht und dem Wegfall des Zivildienstes größer. Der bestehende negative Nettowanderungssaldo niedersächsischer Studienbewerber wird insofern weiter wachsen.
Die Wirtschaft ist über diese Entwicklung besorgt, weil sich dadurch der Zugang zu den knapper werdenden Arbeitskräften verschlechtert. Wenn sich nichts ändert, werden die Unternehmen in den kommenden Jahren Rückholinitiativen starten und bezahlen müssen, wie sie heute schon von vielen östlichen Bundesländern umgesetzt werden. Dies ist nicht im Interesse des Wirtschaftsstandortes Niedersachsens und der IHK-Mitgliedsunternehmen, die händeringend qualifizierten Nachwuchs brauchen.
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Hannover, den 10. Dezember 2010

